Tipps, Tricks & Warnungen zum Weinkauf bei eBay
BEWERTUNGEN DER KRITIKER

 

Die Bewertungen der Weinkritiker von WineSpectator und Wine Advocate (Robert Parker - Maryland/USA) dürfen aus rechtlichen Gründen im WPI noch nicht verwendet werden. Weiters ist Rene Gabriel mit seinem Buch Bordeaux Total eine fixe Größe in der Weinwelt. Seine Bewertungen sind für meinen Gaumen - und für viele Europäer - eher nachvollziehbar als die von Weinpapst Parker. Für die österreichischen Weine ist der bekannte Falstaff Wine Guide der Maßstab. All diese Bewertungen spielen bei Preisen von Kult- und Anlageweinen die  Hauptrolle. Auch bei eBay Auktionen


Bei den Bewertungen gibt es sehr unterschiedliche Aussagen. Bei den eBay-Artikelbeschreibungen findet man Bewertungen wie z.b: 95/100 PP!! Sie als Weinkenner wissen aber, dass der Wein nur 90 Punkte erhalten hat. Dies beruht möglicherweise auf eine Bewertungskorrektur aufgrund einer späteren Degustation, insbesonders, wenn die Genussreife eines Weins eine Rolle spielt. Logischerweise kann ein Wein der lt. WineSpectator und Parker seit 1998 "abgelaufen" ist, keine 95 Punkte wie in seiner Genussphase mehr haben. Aber auch sonst könnten die Bewertungen differieren. Selbst bei den Weinkritikern ist oft der Zustand einer Flasche (korkt, oxidiert, etc.) bei der Punktevergabe entscheidend. Typisches Beispiel ist der Lafite Rothschild 1996. Kritiker erklären die Auf/Abwertungen mit fehlerhaften Flaschen. Natürlich kann man genau so eine Flasche auch ersteigern. Der Unterschied ist, dass man beim Händler seines Vertrauens vielleicht Ersatz oder sein Geld bekommt - bei eBay- Verkäufern ist meist die Privathaftung ausgeschlossen. Dafür geht mancher Weinfreund für ein Schnäppchen das Risiko ein. Auch wenn es Weinsuchmaschinen gibt, die klar und deutlich aufzeigen, dass speziell Alltagsweine beim Händler billiger sind, wenn man bei eBay Verkäufern die Portokosten zum ersteigerten Preis hinzurechnet
Manchmal werden die Bewertungen der Kritiker aber auch für schwache Weine falsch (für den Verkäufer richtig) eingesetzt. Wenn ein Wein seine Trinkreife hinter sich hat und vielleicht nur noch als Salatdressing geeignet ist, nimmt man als geschäftstüchtiger Verkäufer natürlich nicht die 73/100 oder die 12/20. Nein, man erwähnt diese gar nicht, sondern lobt den Jahrgang!!! Beispiel: Pichon Longueville Comtesse de Lalande 1990 - mit sehr niedrigen Bewertungen - ist kaum für mehr als € 40,00 zu verkaufen. Wenn aber in der Artikelbeschreibung steht: 100 Parker Punkte für den Jahrgang 1990 und 100 Punkte vergibt auch Wine Spectator für 1990, dann gibt´s für diesen Wein plötzlich € 106,00! Ein teurer Spaß für einen schwachen Wein, der aber immerhin noch 10 Jahre zu genießen (übertrieben!) sein wird! So geschehen am 19.April 2005. Dass der Mitgliedsname des Käufers nicht genannt wurde, da der Verkäufer PRIVAT eingestellt hat, sei hier nur der vollständigkeithalber erwähnt.
Wie wichtig die Bewertungen der "Weinpäpste" für den Markt und deren Preisentwicklung ist, wissen wir alle. Ein Beispiel dazu ist Masseto 2001 von Tenuta dell´Ornellaia / Toskana. Kurz nach Markteinführung 2004 (Preis ca. € 130,00) erhielt dieser Wein vom WineSpectator die begehrte Höchstpunktezahl. Da gab es für Weinenthusiasten kein Halten mehr und bei eBay eingestellte Massetos (auch andere Jahrgänge waren auf einmal begehrt) erzielten Höchstpreise. Am 30. November 2004 zahlte ein Käufer für die Normalflasche (siehe Flaschenformate) € 312,00 + Porto. Der bis dahin erzielte Höchstpreis für eine Flasche Masseto 2001 war € 352,99 vom 11.03.2006. Heute sind mehr als € 500.- die Norm. Eine Wertsteigerung gegenüber dem Ausgabepreis im 3-stelligen Prozentbereich! Nicht auszudenken wie sich der Preis weiterentwickelt hätte, wenn auch noch Parker die volle Punktezahl vergeben hätte. Genauso bedeutend sind aber auch Abwertungen der Kritiker. Ein edler Wein mit 95/100 Punkten verliert im Laufe seines Lebens immer mehr an Genuss und damit an Wert. Wenn man diesen Zeitpunkt als Investor versäumt, hat man auf einmal wertloses, ungenießbares Nass gelagert. Aber wer sich damit nicht beschäftigt, bietet eben auch für solche "Leichensäfte" eine stolze Summe Geld. Wer lässt sich nicht von einem D´Yquem 1919 faszinieren. Dass dieser ungenießbare (?) Wein manchem eBayer mehr als € 400,00 wert ist, können Sie im WPI (Vollversion) sehen. Aber vielleicht geht es nicht immer um Genuss, sondern auch um Besitz und Besitzerstolz. Denn eine Weinflasche hat auch mit Ästethik und Kunst zu tun. Und gemessen an Gemälden von Monet, Van Gogh oder Picasso in Millionenhöhe nimmt sich der höchste je erzielte Preis für eine Flasche Lafite Rothschild 1787 von ca. € 160.000.- geradezu bescheiden aus. Statistik...

 

 

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