Spekulationsobjekt Wein

Wein als Spekulationsobjekt? Warum nicht? Wie an der Börse geht es auch bei Wein um Angebot und Nachfrage. Und diese hat in den vergangenen Jahren – besonders bei den Topweinen – stark zugenommen. Speziell die Reichen und Schönen der Supermächte Rußland, Indien und China haben Bordeaux und andere Weinregionen entdeckt und möchten mehr kaufen als es überhaupt gibt. Zu jedem Preis! Absatzschwierigkeiten – wie es viele Weingüter und Händler haben – gibt es bei den Top- und Kultweinen nicht. Die Preise gehen langfristig nach oben. Die Produktion in den besten Lagen der Welt nach unten. Dabei spielt der Klimawandel wahrscheinlich eine wesentliche Rolle. Die trockenen Sommer der letzten Jahre (und auch der kommenden?) verringerte die Erträge in den Weingärten und entsprechend weniger Flaschen der Kultgetränke wurden abgefüllt. Chateau Le Pin 2003 gab es überhaupt nicht, denn Jacques Thienpont meinte, dass die Trauben durch das falsche Laubmanagement am Stock geröstet wurden und an einen guten Wein nicht zu denken war. Die Topproduzenten der Welt sind überzeugt, dass ein Kultwein – von der Qualität her – im Weingarten entstehen muß und nicht im Keller. Das Ausdünnen der Rebstöcke geht vor dem Konzentrieren mit der Maschine. Aus schlechtem Traubengut kann kein guter Wein entstehen. Deshalb sind diese Anlageweine aus besten Trauben, besten Jahrgängen und mit dem besten Önologen produziert. Langlebigkeit ist ein entscheidender Faktor für Wein als Spekulationsobjekt. Weine die kein Entwicklungspotenzial haben, haben auch keine Zukunft für Investoren. Wenn man von Anlageweinen spricht, meint man maximal ca. 20 – 30 Weingüter weltweit, die es in jahrelanger Tradition zu Kultstatus gebracht haben. Wer von Anlageweinen spricht, meint üblicherweise Frankreich und damit Bordeaux und Burgund. Dort sind auch die meisten der sogenannten Blue Chips Weine beheimatet. Das soll die Reputation der übrigen Weinanbaugebiete nicht schmälern, doch ist der Anteil an anlagefähigen Weinen außerhalb Frankreichs eben gering. Grange, Solaia, Sassicaia, Masseto, L´Ermita, Pingus, Vega Sicilia oder die Toplagen von Angelo Gaja um nur die wichtigsten zu nennen. Dies gilt allerdings wieder vorwiegend für Europa, denn in den USA sind Kultweine der Neuen Welt gleich nach den bordelaiser Gewächsen an 2. Stelle der Beliebtheitsskala. Aber hierzulande würde ich mein Geld eher in Frankreich und Co. investieren.

Wie das Wort Spekulation schon ausdrückt, ist auch der teuerste Kultwein nicht unbedingt gewinnbringend. Ausone, Le Pin, Petrus, etc. aus einem schwachen Jahrgang bringen eher dem Gaumen etwas, aber nie der Geldbörse. Auch die produzierte Menge eines Jahrgangs kann entscheidend sein. Dies erfordert ständige Beobachtung des Marktes, richtige Einschätzung des Ein- und Verkaufspreises und natürlich das Wissen in welche Weine man investieren soll. Welche Weine sind das? Diese Frage ist selbst für Experten schwer zu beantworten, denn nicht jeder Jahrgang der Spitzenproduzenten eignet sich zur Investition. Auch Jahrhundertjahrgänge wie 1982 oder 1990 in Bordeaux bedeuten nicht für jedes Chateau gleichzeitig Spitzenqualität. Ein typisches Beispiel hierzu ist Mouton Rothschild – Pauillac. Der Premiere Grand Crus des Jahres 1982 ist eine sichere Wertanlage. 1990 fiel für dieses Chateau eher mittelmässig aus. Genau umgekehrt verhält es sich bei Chateau Margaux – Margaux. Der Jahrgang 1982 war bescheiden und das Jahr 1990 hingegen Weltklasse bei allen Weinkritikern. Sie sehen schon wie schwierig es ist, Weingüter, Jahrgänge, Bewertungen, Flaschenformate, etc. in die Überlegung miteinzubeziehen, in welche Weine man investieren soll. Meine Beobachtungen zeigen immer wieder, wie teuer wertlose Kultweine von Newcomern gekauft werden. Wenn diese dann erfahren, dass der Wein ungeniessbar ist und ihn wieder verkaufen möchten erleben sie sicher eine böse Überraschung, denn der Verlust ist oft enorm. Die Zahl der Weinfreaks wächst. Vor allem in den Neuen Märkten! Wichtig ist auf jeden Fall sein Weinbudget immer im Griff zu haben, denn schnell ist man vom „Virus“ Wein infiziert. Was mit 50 – 100 Flaschen beginnt, endet oft mit……na, Sie werden es schon sehen, oder…. Sie wissen es schon!